Hinweis

Lernen braucht auch Dramaturgie

Der Beginn eines neuen Lernabschnitts oder der Beginn eines neuen Moduls in der Coachausbildung ist für die Lehrenden und die Lernenden ein entscheidender Einschnitt.

Unbekanntes Terrain öffnet seine Türen und Tore. Gilt es nun, bisher Gelerntes, wohl sortiert im Gedächtnis, abrufbar bereitzuhalten und offen zu sein, für die neuen Dinge der Erkenntnis, die zu Kompetenzen ausgebaut werden müssen. Schmackhaft soll der neue Lernstoff dargeboten werden. Das Auge isst mit. Der Klang der Stimmen der Ausbilder soll gleich dem verführerischen Gesang der Sirenen aus der Antike den Lernenden in den Bann ziehen.

Gute Erinnerungen aus der Lebenswelt der Lernenden gilt es zu aktivieren und mit dem neuen Angebot zu verbinden, damit die Lernangebote sich angenehm anfühlen – sozusagen vertraut sind, auch wenn man sie nicht genau kennt.

Wie mutet das Neue an?
Riecht es sozusagen nach Verstehen können und praktischem Erfolg?

Dies und vieles mehr sollte ein Ausbilder beherrschen, um das Verstehen des Neuen zu ermöglichen und zu erleichtern. Dramaturgisches Können ist gefragt. Der Ausbilder als Dramaturg seines Tuns.

Ein Dramaturg (Schauspielmacher) beschäftigte sich ursprünglich mit der Auswahl und Bearbeitung dramatischer Texte. Dies waren Theaterstücke, Libretti, Drehbücher und Hörspiele. Heute ist er eher Entwickler und Bearbeiter von Spielplänen, Literatursachverständiger gegenüber Regisseuren, Intendanten, Presse und Publikum.

Ein guter Lehrer, Dozent oder Ausbilder ist nicht nur Pädagoge, der das Lernen nach Kompetenzzielen, richtigem Lernverlauf, strukturiert nach Lern- und Lehrmethoden und angemessenen Lernkontrollen organisiert. Nein – auch die emotionale Verpackung,  die Kultur der Lernbühne, der Geruch nach Lernwerkstatt und die Festlichkeit des Augenblicks, wenn strenge Prüfer Zertifizierungswürdiges gefunden haben. Der Pädagoge, der Ausbilder ist auch Dramaturg.

Im Marketing sprechen wir von Inszenierung, wenn nach Marketing-(dramaturgischen) Punkten eine neue Marke in ihrem Wesen dem Publikum bekannt gemacht wird. Im Fernsehen, im Hörfunk, in der Presse, an der Plakat- oder Litfasssäulenwand.

Kommunikationskanäle werden beansprucht, um in einem ansprechenden Design von Hören, Sehen, Riechen, Schmecken und Fühlen Aufmerksamkeit (Werbung) zu erzeugen. Im Marketingdenken geht es um den Kaufimpuls des Verbrauchers. Kaufreue gilt es zu vermeiden. Also gelten die Regeln des „ehrbaren Kaufmanns”.

Euripides wollte mit seinen Theateraufführungen einen Läuterungsprozess auslösen – die Katharsis. Die „Katharsis” des Ausbilders als Dramaturg des Lehrens und Lernens will Lernfreude, Identifikation mit den Inhalten und Zukunftshoffnung für eigenes kompetentes Gelingen in den praktischen Anwendungskontexten des Lernenden auslösen.

Zelebrieren Sie Ihre Lernangebote mit leuchtenden Augen, freudiger Stimme, zugewandter Körperhaltung und der Aura der erreichbaren Kompetenz.

Nicht nur der Anfang eines Ausbildungsabschnittes ist dramaturgisch zu gestalten. Einer Dramaturgie bedarf die gesamte Ausbildung, genauso wie ein Ausbildungsmodul oder eine Lerneinheit. Wie gelingt dies? Vorbilder finden Sie in guten Filmen. Egal ob Action-, Liebes- oder Heimatfilm. Die interessante Abfolge von verdaulichen Neuigkeiten, unterschiedliche Orten mit unterschiedlichen Menschen, unterschiedliche Geschwindigkeiten im Fortschritt des Films, unterschiedliche Musiken mit unterschiedlichen Lautstärken oder spannende Kameraeinstellungen und rasante Filmschnitte.

Egal, ob der Täter oder das Ergebnis des Films am Anfang dargeboten wird und dann der Prozess zum Ergebnis oder (traditionell) erst der Verlauf der Geschichte und dann die Auflösung angeboten wird. Einen Spannungsbogen in der Ausbildung zu kreieren, orientiert sich an dem. Eine tolle Varietévorstellung unterliegt dem Spannungsbogen genauso wie eine Zirkusveranstaltung mit Pfiff. Der Spannungsbogen will die Bereitschaft zum Mitmachen aufrechterhalten und verrät immer zum Schluss die Erkenntnis  oder ermöglicht die Kompetenz – sonst bleibt keiner! Und das ist es, was wir wollen: Dabei bleiben bis zum Schluss – hoffend und wissend, dass der Kelch der Vorteile und der Erkenntnisse noch nicht leer ist.